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TOSHIBA PT-884
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DUAL TG 28


SABA 600-SH

der

Phönix aus der Asche

oder

"second life" für einen Teileträger

Bild 01


Ein persönlicher Nachtrag zu Beginn dieser Vorstellung:

Während ich in Text und Bild versuche diese SABA 600-SH zu beschreiben, muss ich mir immer wieder vor Augen halten, dass es um ein Gerät geht, das 1967 also vor 
fast 50 Jahren auf den Markt kam. Dank des zeitlosen Designs ist man sich dessen kaum bewusst!
Sucht man aus dieser Zeit Konkurrenzprodukte, so steht die SABA 600-SH ziemlich allein auf weiter Flur. Hier gilt, wie Andreas, DER SABA Kenner und Sammler zur 600-SH schrieb:
“. . . sie kam wie von einem fernen Stern . . . „

Die 1967 erschiene SABA 600-SH kostete 1998 DM.
Die legendäre A77 von ReVox kam ebenfalls 1967 auf den Markt.
Sie kostete damals 1450 DM!
Mein Exemplar der SABA 600-SH, um das es hier auf diesen Seiten geht, ist gestempelt mit 09/68.

Bekannt war mir die SABA 600-SH aus einem Radiomuseum in den Baumbergen
 

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und der hervorragenden Vorstellung mit Ansteckungspotential dieser Maschine auf der Homepage von Andreas, einem ausgewiesenen SABA-Kenner.

Einmal von diesem Virus infiziert und einer Inkubationszeit von zwei Jahren, konnte ich nicht widerstehen, als eine dieser Maschinen defekt und als Schlachtgerät angeboten wurde. Bedingung war Abholung der Maschine, was rund 500km für einen Weg bedeutet hätte . . . doch dieses ist eine andere spannende Geschichte, die über 3 Monate dauerte.

Ein trauriger Anblick.
So erreichte mich die „Königin von SABA“

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Foto 3

Schön, aber wenig praxisnah. Die SABA ist für wahlweises Betreiben sowohl in horizontaler als auch vertikaler Aufstellung ausgelegt. Doch leider fehlen ihr für das senkrechte Betreiben geeignete „Untersetzer“ um die Schokoladenseite der Echtholzzarge nicht zu beschädigen.

 

Bild 04
Foto 4

Bild 05
Foto 5

Im Gerät sah es auch nicht besser aus:

 

Bild 06
Foto 6

Platinenbruch zum Ersten

 

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Foto 7

Platinenbruch zum Zweiten:
Es fehlen ganze Leiterbahnen vor allem im Bereich der Lötstellen zu den 11 Relais der Logik-Steuerung. Ein Vorbesitzer hatte damit begonnen diese fehlenden Leiterbahnen durch ungeeignetes Kabelmaterial zu ersetzen.

 

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Foto 8

Die Steuerplatine
Nicht weniger als 17! Relais übernehmen die komplette Steuerung der Maschine. Hierzu gehören auch Details, wie das Verweigern der Aufnahme und der Reversfunktion im Viertel-Spurbetrieb oder nach der Wiedergabe der „Rückseite“ des Bandes nach Durchlaufen eines Reverse-Zykluses!

 

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Foto 9

Die auf die Relais gehefteten Aufkleber dienten dem Nachvollziehen der Steuerung, logisch!?

 
Bild 10
Foto 10

Totalausfall: Deutlich sind auf dem Drahtpaket der Relaisspule dunkle Flecken zu erkennen. An diesen Stellen hat der Draht seine Lackisolierung verloren. Außerdem riss hier der Draht bei der leichtesten Berührung.

 

Bild 11
Foto 11

Rainer, stolzer Eigner mehrer 600-SH, half mit bauartgleichen Relais eines Teileträgers aus. Dieser Teileträger leistete einst seinen Dienst zur Vaterlandsverteidigung auf einem U-Boot!
Leider sind die zivile und militärische Version zwar ähnlich, in vielem aber nicht gleich. So musste zum Beispiel das Kammrelais von Siemens des submarinen Gerätes von 4xUm an die zivile Ausführung mit 3xUm umgebaut werden: Die Kontakte blieben, die Magnetspulen wurden getauscht.

 

Bild 12
Foto 12

Alle 4 in der SABA vorkommenden Relais von SIEMENS hatten defekte Magnetspulen!

 

Bild 13
Foto 13

Die „zünde(l)nde Idee“ zum Relais-Check. Hier auf dem HF-Modul.

 

Bild 14
Foto 14

Nächster Fehler:
Semih, ein äußerst kompetenter Fachman für Tonband- und Elektronik-Probleme, hatte ihn per „Ferndiagnose“ aus Istanbul! in der Tonkopfbrücke lokalisiert. Der denkbar unwahrscheinlichste Ort!

Eigentlich ist so eine steckbare Tonkopfbrücke eine feine Sache, wenn es dazu nicht auch Steckkontakte geben müßte. Und genau dort lag der Hase im Pfeffer:

 

Bild 15
Foto 15

Die an die Steckkontaktleiste angelöteten Tonkopfleitungen ragten so weit in den Kopfträger hinein, dass sie einem unisolierten Halteblech zu nahe kamen und sich dort innig berührten.
Auf den Bildern sind die braunen Kabel zu sehen, an deren Enden die Kopfleitungen angelötet sind.
Der Grund für diese „vorgeschobenen“ Lötpunkte ist nicht erkennbar!

 

Bild 16
Foto 16

Provisorisches Isolieren brachte die Gewissheit.

 

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Foto 17

Kleine Ursache, große Wirkung. So sieht die geräteseitige Steckleiste mit den Lötstellen jetzt aus.

Die Kopfrelais: „Low tech“ vom Feinsten

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Foto 18

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Foto 19

Hier liegen nicht nur die Nerven blank. Die Tonkopfkabel haben alle die gleiche Farbe, weshalb sie aus ihrem Kabelschacht genommen sind, um besser erkennen zu können, wer zu wem gehört.

Dieses ist eines von 2 "Kopfrelais":

Bild 20
Foto 20

Es enthält 4xUm mit jeweils 2 Kontakten, in der Summe 4x2=16 Kontakte pro Relais ergibt bei 2 Kopfrelais 32! Kontakte. Welch ein Aufwand, um mit 2 Kombiköpfen! eine Autoreverse Funktion (Vorband/Hinterband Umschaltung) zu realisieren!
Kombiköpfe bedeuten immer einen Kompromiss: Als Aufnahmekopf wäre ein nur für die Aufnahme optimierter Kopf mit schmalerem Tonkopfspalt und für den Wiedergabekopf ein breiterer Kopfspalt gewünscht.
Das bedeutet, die SABA 600-SH ist eine „Autoreverse-Maschine“ ohne Kopfoptimierung einer 3-Kopfmaschine. Das hätte 4 Tonköpfe bedeutet!
Wenn man sich jetzt vor Augen führt, dass die SABA eine 2-Spurmaschine ist, wird klar, dass die Autoreverse-Einrichtung nur für monaurale Aufnahme/Wiedergabe möglich ist!
4-Spur-Stereo–Bänder sind durch Vorhandensein eines separaten Viertelspur-Wiedergabekopfes wiederzugeben, eine Viertelspuraufname ist indes nicht möglich!
Gerechterweise muss man sagen, dass im Erscheinungsjahr 1967 sich zwar die Stereolangspielplatte durchgesetzt hat, Rundfunk aber oft noch mit Mono-Geräten gehört wurde. Aber wer kaufte sich eine SABA 600-SH fast zum Gegenwert eines halben VW-(Spar-)Käfers und verzichtete auf ein „Stereosteuergerät“? Passend zur SABA 600-SH gab es das SABA Freiburg mit dem damalig sensationellen Sendersuchlauf und Kabelfernbedienung! Interessant: Das SABA Freiburg war mit 1998,- DM genauso teuer wie die 600-SH! (siehe Preisliste

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Das "kleine" Netzteil:

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Foto 22

Es bekam einen neuen, belastbareren Gleichrichter, sowie zwei neue Sieb-Elkos mit höherer Spannungsfestigkeit (25V). Die originalen arbeiteten mit 17V Spannungsfestigkeit in einem Netzteil mit 17V doch hart an ihrer Belastungsgrenze. Die Sicherungshalter mussten auch getauscht werden, weil sie durch Korrosion davon zu krümeln drohten.
Zwei Sicherungen lagen sich so nah, dass sie sich berührten, ein Fehler, auf den man erst einmal kommen muss. Diese Sicherungen sind erst zu sehen, wenn das gesamte Chassis aus der Zarge genommen ist.

 

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Foto 23

Zu unrecht verdächtigt: Der Geschwindigkeitsumschalter. Wie man sieht nach der Reinigungsprozedur ein glänzendes fehlerfreies Ergebnis.

 

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Foto 24

Das war er, der hoffentlich letzte Defekt der Preziosa: Auf der Frontseite hatte der Geschwindigkeitsumschalter einen weiteren Kontakt. Dieser war fast 50 Jahren nicht mehr sehr kontaktfreudig.

 

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Foto 25

Altes Handwerk,
aus „pre CNC-Zeiten“ und kopier-gesteuerter Fräsen.

Allein der untere Teil der Zarge besteht aus 19 Einzelteilen zuzüglich Furnier. Das hochwertige Nußbaumfurnier ist zum Glück so stark, dass die schlimmsten Kratzer auszuschleifen waren.

 

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Foto 26

Bild 27
Foto 27 

Nach dem Ausschleifen der Kratzer auf der Frontseite gab es, gut abgeklebt, ein neues Finish.

 

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Foto 28

Der Lohn der Mühe (nur Verrückte lackieren im Februar an der frischen Luft und dann ab in den Heizungskeller)

   

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Foto 29

Ein glänzendes Ergebnis

Bitte "oben ohne"

Laut Bedienungsanleitung darf die SABA wegen der Wärmeentwicklung nicht bei geschlossener Haube betrieben werden. Allein die Relais und Motoren nehmen ca. 100 Watt elektrische Leistung auf, wie man in Form des deutlich warmen Frontbleches fühlen kann. Das Bodenblech ist ganzflächig mit Löchern durchbrochen. Ebenso finden sich rundum in der Zarge Belüftungslöcher, die eine Zirkulation der Luft möglich machen.
Schade, dieses ist durchaus nachzuvollziehen, doch wohin jedes Mal mit dieser riesigen Haube?
Ergonomisch sinnvoll (für Rechtshänder) sind die Laufwerkssteuertasten rechts vorne angeordnet. Es sind reine Tipptasten, die nach Betätigung von innen beleuchtet sind. Die Laufwerksteuerung ist ausschließlich elektromechanisch (eine Schwinge zur Drehrichtungserkennung und Relais für die Laufwerkslogik und Motorensteuerung).

Die "Schwinge":

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Foto 30

Ein simples wie geniales Detail:
Eine Metallgabel aus dünnem Blech hat leichten Kontakt zu einer Polyamidscheibe, die sich mit der Capstanwelle dreht. Sie gibt der Laufwerkslogik die Information der Drehrichtung.
Diese Steuerung ist so fehlbedienungssicher, dass bedenkenlos z.B. vom schnellen Vorlauf ohne Pause in schnelles Rückspulen geschaltet werden kann. "Bandsalat" ist damit völlig ausgeschlossen.

Die Spulmotoren:

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Foto 31

"System Papst" ähneln bis ins Detail den Motoren der viel jüngeren TG 1000 von Braun. Wie in der TG 1000 ist die Performance der Spulgeschwindigkeit beeindruckend.
Ebenso beeindruckend ist der imposante Capstan-Motor.

 

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Foto 32

Hier zum Vergleich eine CD.

Es ist faszinierend zu beobachten, wie dieser riesige Motor in weniger als 2 Sekunden seine Drehrichtung von Rechts- auf Linkslauf ändern kann. Möglich wird dieses einerseits durch ein möglichst geringes Gewicht (geringe träge Masse), realisiert durch einen außen laufenden Rotor der zum überwiegenden Teil aus Kunststoff besteht. Alles was auf dem Foto silberfarbig erscheint und metallisch wirkt, ist Kunststoff! Andererseits durch ein möglich großes Drehmoment, welches durch einen möglichst großen Durchmesser des Rotors erreicht wird.

 

 Und das ist aus ihr geworden:

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Foto 33

Bild 34
Foto 34

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Foto 35

Bild 36
Foto 36

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Foto 37

Diese für die SH-600 originale Leerspule bekam die SABA anlässlich ihrer „Auferstehungsfeier“ am 26.7.2008 von dem Tonbandfreund Rainer.
Leider fehlen ihr noch die originalen Spulenbefestigungen, die für den senkrechten Betrieb erforderlich sind.

 

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Foto 38

Der Aufwand vom Kauf bis zur Restaurierung des bereits aufgegebenen Gerätes hat sich gelohnt: Es macht Spaß die SABA zu berühren, sie zu bedienen, eine Taste anzutippen, an einem Knopf zu drehen, eine andere Taste zu drücken. Alles macht einen massiven, grundsoliden Eindruck, als wäre sie aus dem "Vollen" gefräst. 

Links vom Laufwerk gibt es ein weiteres Bedien-Paneel.
 

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Foto 39 

Hier befinden sich neben einem echten 4-Kanal Mischpult und zugehörigen Pegel-Vorstellern für alle vier Kanäle Höhen, und Tiefensteller, die wie bei professionellen Bandmaschinen nur für die Aufnahme wirksam sind.
Bei der Wiedergabe bleiben sie funktionslos.
In der obersten Reihe sind Drehsteller angeordnet, die zusammen mit einem optionalen Hallgerät für die Aufnahme den gewünschten Hall-Effekt einstellen lassen.

 

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Foto 40

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Foto 41

Fast 50 Jahre hat die alte (oder ewig junge) Dame auf dem Buckel. Doch weder sieht man es ihr wegen des zeitlosen Designs an, 
noch macht sie technisch einen „hinfälligen“ Eindruck.

 

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Foto 42

Wahlweise: 2-Spur Stereo Aufnahme-/Wiedergabe, 2-Spur Mono Autorevrese oder 4-Spur Wiedergabe

 

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Foto 43

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Foto 44

Die groß dimensionierte Andruckrolle wird elegant durch einen massiven „Metalltopf“ verborgen.
Um die Andruckrolle zu reinigen empfiehlt SABA die Reinigung mit einem mit Spiritus getränkten Filzstreifen durchzuführen, der dem Gerät beilag.

 

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Foto 45

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Foto 46 

"Hier geht´s lang" Im Hintergrund ist eine der zwei "Gabeln" zu sehen, durch die das Band durchgeführt werden muss. Dadurch ist es leider nicht ganz so einfach das Band einzulegen, wie es bei unten offenen Tonkopfbrücken bei professionellen Bandmaschinen üblich ist.
Ebenso entdeckt man bei genauerem Hinsehen, dass die links und rechts fast freiliegenden gummierten Bandrollen nicht federnd sind. Dadurch sind sie zur Aufnahme von kurzen Zugbelastungen des Bandes oder als Schlaufenfänger nicht ausgelegt.

 

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Foto 47

Auf dem Kopfträger von links nach rechts:
1x2 Spurlösch-, 2x2-Spur Aufnahme/ Wiedergabe-Kombiköpfe, 1x4tel Spur Wiedergabekopf, 1x2 Spurlöschkopf.

 

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Foto 48

Anschluß gesucht. Die alte Dame ist immer noch recht kontaktfreudig!

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Keep smiling!